Bretonischer Glanz (Kommissar Dupin #15), von Jean-Luc Bannalec

blauer Himmel und Atlantik über einer felsigen, grünen Küstenlandschaft mit Steinhaus


Meine Bewertung: 3 von 5 Sternen


Ein Krimifestival in Roscoff, eine ermordete Zwiebelbäuerin, Konflikte bei Celtic Ferries, Drohparolen an Hauswänden und eine obskure Zwiebel-Bruderschaft: „Bretonischer Glanz“ bringt zunächst alles mit, was einen Dupin-Krimi ausmacht. Roscoff ist stimmungsvoll, die bretonische Küste leuchtet, Kaffee und regionale Spezialitäten werden mit der gewohnten Hingabe serviert. Dupin bleibt als grantiger, eigenwilliger, zugleich menschlicher Ermittler erfreulich stabil; auch Riwal und Kadeg sorgen für vertraute Komik.

Dann aber beginnt der Roman, sich auf eine Weise mit Autor_innen und Autorentum zu beschäftigen, die nicht ironisch, sondern vor allem selbstgefällig wirkt. Bannalec lässt eine Autorin sagen:

»Was viel heißt, die große Mehrheit der Autoren leidet an schwerem Narzissmus, nicht selten in pathologischem Ausmaß.«

Der Satz wäre ein hübscher Seitenhieb, wenn der Roman nicht umgehend selbst den Beweis antreten würde. Robert Rouxel schreibt über einen Kommissar aus Concarneau, der Dupin auffällig ähnelt, kennt dessen Kaffeemarke und drängt sich als literarischer Beobachter in dessen Leben. Bannalec schreibt sich damit ziemlich demonstrativ selbst in sein Buch. Das wirkt nicht souverän, sondern peinlich.

Und dann ist da eine britische Autorin namens Allyson Christic. Eine zeitgenössische Autorin so zu nennen, ist bereits für sich genommen zum Fremdschämen: Die Anspielung ist nicht fein, sondern mit dem Holzhammer serviert. Überhaupt wird die Welt der Autor_innen hier zur Bühne für Männer, die sich selbst, ihre Genialität und ihre Bedeutung ausgiebig bewundern. Der Roman will diese Eitelkeit offenbar entlarven, beteiligt sich aber lustvoll daran. Das wirkt wie ein typisch deutsches Problem: Man benennt die eigene Selbstgefälligkeit und hält sich dadurch schon für immun gegen sie.

Die literarische Selbstbespiegelung wäre leichter zu ertragen, wenn der Kriminalfall dafür umso sauberer konstruiert wäre. Das ist er leider nicht. Zu viele falsche Fährten führen in Richtung Festival, Fährunternehmen, Zwiebelanbau und Umweltkonflikt, ohne dass die verschiedenen Stränge überzeugend zusammenfinden. Die Auflösung kommt zu bequem, zu spät und mit zu wenig innerer Logik. Das Ende ist abrupt und unvorhersehbar, aber Überraschung ersetzt keine Plausibilität.

Auch sprachlich überzieht Bannalec drastisch mehr als gewöhnlich:

»Die Sonne, der tödliche Feuerball, der der Erde das Leben schenkte.«

Bannalec, oder sollten wir diese schreibende deutsche Kartoffel doch lieber beim richtigen Namen, Bong, nennen, kann Landschaften weiterhin wirkungsvoll beschreiben. Doch zwischen Atmosphäre und Überzuckerung liegt ein schmaler Grat, und dieser Band überschreitet ihn mehrfach. Die poetischen Bilder sollen Erhabenheit erzeugen, wirken aber nicht selten wie eine schriftstellerische Selbstauskunft: Seht her, wie schön ich formulieren kann.

Besonders ärgerlich ist, dass der Roman durchaus die Mittel für einen besseren Fall hätte: die widersprüchliche Welt des Festivals, die wirtschaftlichen Spannungen in Roscoff, die Fragen nach geistigem Eigentum und die bewährte Konstellation der Ermittler_innen. Statt diese Elemente geduldig zu verzahnen, setzt Bannalec auf Behauptungen, Übertreibungen und den nächsten Effekt.

Im Vergleich zu „Bretonische Spezialitäten“ (Review) und dem starken „Bretonische Nächte“ (Review) wirkt dieser fünfzehnte Band eher wie die schwächeren „Bretonische Idylle“ (Review) und „Bretonischer Ruhm“ (Review). Die vertraute Figur, die Landschaft und einzelne Scherze tragen noch. Im Vergleich zu Martin Walkers Bruno-Krimis bleibt Dupins Menschlichkeit ein Pluspunkt, doch Walkers Fälle sind meist sorgfältiger ausbalanciert.

„Bretonischer Glanz“ ist kein Totalausfall. Roscoff, Dupin und die bretonische Genusswelt besitzen weiterhin Reiz. Für einen überzeugenden Kriminalroman reichen Selbstbespiegelung, falsche Fährten und eine zufällig wirkende Auflösung jedoch nicht.

Großzügige drei von fünf Sternen.



Ceterum censeo Putin esse delendam




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