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Kummer aller Art, von Mariana Leky

Kummer aller Art by Mariana Leky

My rating: 5 of 5 stars


Stellt Euch doch mal ein zartes, luftiges Zitronen-Mousse vor. Ihr nehmt einen Löffel davon und es ist die perfekte Mischung aus feiner Süße und milder Säure. Die Mousse zergeht Euch förmlich auf der Zunge und viel zu schnell seht Ihr betroffen, das Schälchen leer und viel Genuß noch offen…

»Sonjas Vater hatte in seiner Rede zu ihrer Hochzeit gesagt, er kenne niemanden, der so schwer Abschied nehmen könne wie Sonja – als Kind, erzählte er, habe sich Sonja manchmal sogar von Leergut nur unter Tränen trennen können.«

So zumindest erging es mir bei der Lektüre von Mariana LekysKummer aller Art”. Es handelt sich um eine Sammlung von Kolumnen der Autorin, die im Gegensatz zum Titel zwar auch voller großer und kleiner Kümmernisse stecken, häufig aber auch von Alltagsszenen berichten, die gar nicht notwendigerweise den Kummer in den Vordergrund rücken.

»Zu unser aller Bestürzung hat sich Ulrich die Haare gefärbt. Er sieht jetzt aus wie ein sehr, sehr alter Howard Carpendale.«

In jedem Fall aber erzählt Leky intelligent und warmherzig von und über ihre Protagonist_innen; Frau Wiese, Herrn Pohl, Paten- und andere Kinder, Schlafstörungen, Badezimmertüren und vielem mehr. Geprägt sind alle Beiträge von einem menschenfreundlichen, zuweilen trockenen Humor und ausnahmslos habe ich mich von jeder Kolumne sehr gut unterhalten gefühlt.

»Die Entscheidung ist so groß geworden, dass der Anlass dahinter verschwunden ist.«

Ein wenig Wehmut kam bei mir auf, als ich bei ca. 85 Prozent des Buches an dessen unerwartet frühes Ende kam – danach folgte die Werbung. Angesichts des Preises von rund EUR 12 für die Kindle-Version und stolzen EUR 22 für das Hardcover, finde ich 15 Prozent Werbung schon etwas viel. Daher gibt es auch einen “Punktabzug”.

»Angst gibt vor, sich mit allem auszukennen, alles studiert zu haben, aber ihre ganzen Abschlusszeugnisse sind gefälscht.«

Dennoch: Vier von fünf Sternen für das Buch in seiner Gesamtheit – die Kolumnen hätten volle fünf Sterne verdient. Empfehlens- und lesenswert!


Ceterum censeo Putin esse delendam




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